|
Dieses Stickmustertuch aus dem Jahre 1787 befindet sich im
Besitz des Schlossmuseum Jever. Die nahezu quadratische Form
ist ganz typisch für norddeutsche Tücher.
Norddeutsche Tücher haben als oberen Abschluss meist
mehrzeilige Alphabet- und Zahlenreihen. Wie in Holland werden
die Tücher mit einer umlaufenden Borte eingefasst. Auch
die Formate, breite Rechtecke oder Quadrate ähneln den
niederländischen Stickmustertüchern. Die Holländer
haben die Deiche im Alten Land vor Hamburg gebaut. Vielleicht
brachten sie auf ihrem Weg dorthin auch ein niederländisches
Mustertuch in die Gegend und die starke Ähnlichkeit der
Tücher entspringt aus dieser direkten Begegnung.
Die Initialen der Stickerin sind in feiner Petit Point Stickerei
in die sie umgebende Blätterkartusche, die von zwei Vögeln
mit Blättern oder Zweigen im Schnabel bekrönt wird,
gestickt worden. Um die Kartusche gruppieren sich Früchtekörbe,
Lebensbäume und Kirschen.
Interessant sind auch die vielen Möbelstücke auf
dem Tuch, die das alltägliche Leben eines Mädchens
um 1772 zeigen. Eine prominente Stelle im Leben einer Frau
und auch in diesem Tuch nehmen der wuchtige Leinenschrank
und die, wahrscheinlich auch mit Leinen gefüllte Truhe
ein. Hier wird ganz deutlich, dass sich ein junges Mädchen
mit dem Sticken eines Mustertuches auf seine spätere
Rolle als Hausfrau vorbereitete, bei der der Leinenschrank
oder die Leinentruhe eine ganz wichtige Rolle spielt. Ein
gefüllter Leinenschrank ist immer ein Zeichen für
Wohlstand und bürgerliche Gediegenheit.
Ansonsten hat der Hausrat nicht wirklich eine symbolische
Bedeutung wie andere Motive des Tuches.
Diese häuslichen Szenen, wie wir sie hier vorfinden,
mit Tisch, Stühlen und Bett kommen vorwiegend auf Mustertüchern
in protestantischen Gegenden vor. (vgl. Melenbelt-Nieuwburg/Gierl:
Stickmotive aus alten Mustertüchern, S. 66 Haus und Hausrat.)
|