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Die ältesten deutschen Stickmustertücher sind in
das 16. Jh. zu datieren. Fast gleichzeitig mit den Mustertüchern
erschienen die gedruckten Modelbücher, zunächst
als Holzschnitte, dann jedoch als Kupferstiche. Da sie für
die Stickerin meist unerschwinglich waren, wurden sie einmal
abgestickt und dann diente nicht mehr das Modelbuch, sondern
das Sticktuch der nächsten Stickerin als Vorlage. Das
bedeutendste dieser Modelbücher ist Sibmachers zweites
Modelbuch von 1601 mit dem Titel "Neues Modelbuch in
Kupfer gemacht". Sibmachers Muster hatten künstlerische
Qualität und traten in den Jahren nach 1601 ihren Siegeszug
durch ganz Europa an. Seine Motive, die in ihrer Ausgestaltung
schon ganz typisch sind für das Zeitalter des Barock,
sind auf unzähligen Mustertüchern zu finden. Dabei
stößt man nicht nur auf christliche Tradition,
wie im Falle des Gotteslamms mit der Siegesfahne und des liegenden
Hirsches, sondern auch auf ganz weltliche Bilder.
Auch dem Pfau - im 18. und 19. Jh. auf allen Bauernhöfen
Süddeutschlands heimisch, da seine Schwanzfedern für
die Federkielstickereien auf den Männergürteln gebraucht
wurden - dürfte in diesem Zusammenhang keine religiöse
Symbolik zukommen, sondern eher die eines prächtig aussehenden
Haustiers. (Nina Gockerell, Stickmustertücher, Kataloge
des Bayerischen Nationalmuseums München, Band XVI, München/Berlin
1980, S. 29)
Dieses Mustertuch versammelt Sibmachers schönste Motive,
daneben Borten und einige Alphabete.
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