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Als Spitze bezeichnet man durchbrochenes Gewebe. Echte Spitzen
sind nur die, bei denen das Muster mit Füllungen und
Aussparungen selbst das Gewebe bildet im Gegensatz zu spitzenähnlichen
Stickereien. Handgearbeitete Spitzen sind Klöppelspitze
und Nadelspitze. Beide kamen im 16. Jahrhundert in Oberitalien
auf und verbreiteten sich rasch in ganz Europa. Neben Oberitalien
entstanden im 17. Jahrhundert wichtige Zentren in Frankreich,
im 18. und 19. Jahrhundert war Flandern mit den Städten
Brüssel und Brügge führend in der Spitzenherstellung.
Verarbeitet wurde zunächst nur Leinen, später auch
Seide, seit dem 19. Jahrhundert dann vermehrt Baumwolle. Die
Spitze des 16. Jahrhunderts hat immer ein großflächiges
Muster mit großen Aussparungen und wenigen Stegen, im
17. Jahrhundert wurde kleinteiliges Rankenwerk mit vielen
Stegen beliebt, in Frankreich erhalten diese Stege einen eigenen
ornamentalen Wert, was zur Ausbildung des so genannten Grundnetzes
führt, das die Muster miteinander verbindet. Die Entwicklung
endet in der Erfindung der Tüllmaschine (1809), sie stellt
eine Art Grundnetz her, auf das die Ornamente aufgenäht
wurden (Applikationsspitze); später kamen Maschinen hinzu,
die Muster und Grundnetze herstellten (Maschinenspitze). Damit
wurde die Spitze erschwinglich, allerdings ging die handwerkliche
Tradition der Nadelspitze nahezu ganz verloren, die Klöppelspitze
blieb in einigen Gegenden als Volkskunst erhalten. (vl. Meyers
großes Taschenlexikon; Stichwort: Spitze)
Man hat immer versucht mit einfacheren Techniken die Wirkung
der echten Spitze nachzuahmen, da diese schwierig herzustellen
war und entsprechend teuer war. Durch die Kombination von
Kreuzstichen mit Steppstichen bekommt man eine spitzenähnliche
Wirkung auf Unterstoffen, ohne dass man mit komplizierten
Durchbrüchen arbeiten muss.
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