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Stickmustertücher wurden über Jahrhunderte in ganz
Europa gestickt. Sie dienten zum Üben, Sammeln, Merken
und Aufbewahren von Mustern, Sticharten und Alphabeten, die
wiederum zum Zeichnen der Wäsche und zum Verzieren von
Kleidungsstücken benutzt wurden. Die Stickmustertücher
wurden von Mädchen im Alter von neun bis fünfzehn
Jahren angefertigt und von Generation zu Generation weitergereicht,
da gedruckte Stickvorlagen wie Modelbücher kaum erschwinglich
waren. Zu Beginn des 19. Jh. bekommen die Stickmustertücher
fast unmerklich eine andere Funktion, sie dienen der Dekoration
und werden gerahmt an die Wand gehängt, um Zeugnis vom
Fleiß der Stickerin abzulegen. Ebenso wandeln sich die
Modelbücher. Sie zeigen nun Urnen, Grabsteine unter Trauerweiden,
Blumen- und Früchtekörbe, Füllhörner und
Blütengirlanden. Im Laufe des 19. Jh. kommen kolorierte
Stickvorlagen auf sogenanntem Patronenpapier, zu sehr moderaten
Preisen auf den Markt.

Das Stickmustertuch "Dänemark 1825" zeugt
von diesem Wandel. Dieses einfache in typischem Biedermeierstil
gehaltene Tuch verbreitet einen ganz besondern Charme, die
zarten Farben der Seide auf feinstem Leinen sind nie aufdringlich,
die einzelnen Schattierungen sind minimal.
Das ursprüngliche Tuch wurde auf Leinen gestickt, dessen
Kette und Schuss nicht die gleiche Fadenstärke aufweisen,
deshalb wirkt es sehr in die Länge gezogen. Die Reproduktion
ist auf gleichmäßig gewebtem Leinen gearbeitet,
was die Proportionen etwas verschiebt.

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