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Das Württembergische Landesmuseum Stuttgart besitzt
eine reiche Sammlung von Textilien und Kostümen. Eine
Auswahl davon, die den Zeitraum von 1750 bis 1970 umfasst,
wird im Modemuseum von Schloss Ludwigsburg präsentiert
(www.landesmuseum-stuttgart.de / www.barockerlebnis.de ).
Neben Geweben, die in koptischer Zeit einsetzen und bis in
die Gegenwart reichen, bilden Stickereien die umfangreichste
Gruppe der textilen Bestände des Württembergischen
Landesmuseums. Gerade die Gattung der Stickmustertücher
fand schon in den Gründungsjahren des Hauses bei Ankäufen
besondere Berücksichtigung. Das Original des hier als
Replik vorliegenden, 1910 vom Württembergischen Landesmuseum
Stuttgart erworbenen Mustertuches (Inv. Nr. G 10,91) stammt
wohl aus dem süddeutschen Raum und ist auf das Jahr 1729
datiert. Die Maße des Tuches sind typisch für Sachsen
(auch die so genannten Sachsenrollen zählen zu den süddeutschen
Mustertüchern).
Das Tuch ist in waagerechte Streifen eingeteilt, ganz oben
finden sich zwei Tapisseriemuster und ein üppiger Nelkenstrauß,
ein gekrönter Doppeladler, Papagei, Löwe, Hahn,
die Leidenswerkzeuge Christi und ein Paradiesbaum. Dann folgen
die "Sibmachermuster", wie das Lamm Gottes, der
Pfau und der liegende Hirsch. Den Abschluss bilden 16 immer
schmaler werdende Schmuckbänder, die man zum Verzieren
der Kleidung immer wieder abstickte. Außerdem enthält
das Tuch bezeichnenderweise längs zu den Schmuckborten
angeordnet, vier Alphabete sowie eine Reihe von Krönchen
und einer Kartusche mit der Jahreszahl 1729 und den Initialen
der Stickerin I S L. Diese besondere Anordnung der Alphabete
und Krönchen macht deutlich, dass das Tuch als Fundus
zum Absticken der Muster gedacht war und nicht etwa gerahmt
als Wandschmuck dienen sollte. Unabhängig von ästhetischen
Kriterien wurde jeder Platz auf dem Leinen genutzt, denn Leinen
und Garn waren teuer und stellten einen beträchtlichen
Wert dar. Heute finden wir gerade die Tatsache, dass das Tuch
von zwei Seiten bestickt wurde besonders reizvoll!
(vgl. auch Ruth Grönwoldt; Stickereien von der Vorzeit
bis zur Gegenwart aus dem Besitz des Württembergischen
Landesmuseums Stuttgart und der Schlösser Ludwigsburg,
Solitude und Monrepos, München 1993, S. 220 und 221)
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